99,9 % Uptime: Wie viel Ausfall ist das wirklich?
Stand 11. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit
Verfügbarkeit wird in Prozent angegeben, und Prozentzahlen nahe 100 wirken alle gleich gut. Der Unterschied zwischen 99 % und 99,99 % ist aber der Unterschied zwischen dreieinhalb Tagen und 53 Minuten Ausfall pro Jahr. Hier ist die ehrliche Umrechnung.
Inhalt
Die Umrechnungstabelle
So viel Ausfallzeit steckt in den üblichen Verfügbarkeits-Angaben (gerechnet mit durchschnittlich 30,44 Tagen pro Monat):
| Verfügbarkeit | Ausfall pro Monat | Ausfall pro Jahr |
|---|---|---|
| 99 % | ca. 7 Std. 18 Min. | ca. 3 Tage 16 Std. |
| 99,5 % | ca. 3 Std. 39 Min. | ca. 1 Tag 20 Std. |
| 99,9 % | ca. 44 Min. | ca. 8 Std. 46 Min. |
| 99,95 % | ca. 22 Min. | ca. 4 Std. 23 Min. |
| 99,99 % | ca. 4,4 Min. | ca. 53 Min. |
| 99,999 % | ca. 26 Sek. | ca. 5,3 Min. |
Warum die Prozentzahl täuscht
99 % klingt nach einer glatten Eins mit Sternchen, bedeutet aber: Im Schnitt ist die Seite jeden Monat über sieben Stunden weg. Passiert das am Samstagvormittag im Weihnachtsgeschäft, ist die Zahl auf dem Papier immer noch "99 %".
Genauso wichtig wie die Summe ist deshalb die Verteilung: Ein einzelner langer Ausfall ist meist schlimmer als viele kurze, weil er es in Kundenanrufe, Bewertungen und verpasste Bestellungen schafft.
Was ist realistisch?
Als grobe Richtwerte aus der Praxis, ohne Gewähr für den Einzelfall:
- Shared Hosting: meist zwischen 99,5 % und 99,9 %. Gut genug für viele Websites, aber Wartungsfenster und Nachbarlast schlagen durch.
- Solider VPS oder Managed Server: 99,9 % und besser sind erreichbar, wenn Deployments sauber laufen und jemand Ausfälle schnell bemerkt.
- 99,99 % und mehr: braucht Redundanz (mehrere Server, Load Balancer, Failover) und Prozesse. Das ist ein Infrastruktur-Projekt, kein Hosting-Tarif.
SLA-Prozente und gemessene Uptime sind zwei Paar Schuhe
Ein SLA (Service Level Agreement) ist ein Zahlungsversprechen, keine Messung: Unterschreitet der Anbieter die zugesagte Verfügbarkeit, gibt es Gutschriften, nach dessen Regeln. Geplante Wartung ist oft ausgenommen, gemessen wird beim Anbieter selbst, und kleine Zeiträume fallen durchs Raster.
Die eigene, unabhängige Messung ersetzt das nicht, ergänzt es aber: Nur sie zeigt, was deine Nutzer tatsächlich erlebt haben, und nur sie liefert dir Belege für Gespräche mit Hoster oder Kunden.
Uptime richtig messen
Zwei Stellschrauben bestimmen, wie belastbar deine gemessene Uptime ist: das Prüfintervall und die Bestätigungslogik. Bei 5-Minuten-Checks kann ein 4-minütiger Ausfall komplett unbemerkt bleiben; bei 60-Sekunden-Checks nicht. Und wer jeden einzelnen fehlgeschlagenen Request als Ausfall zählt, misst Netzwerk-Rauschen statt Verfügbarkeit, deshalb bestätigen gute Dienste einen Ausfall mit mehreren Prüfungen, bevor er in die Statistik eingeht.
Häufige Fragen
Ist 100 % Uptime möglich?
Über kurze Zeiträume ja, dauerhaft praktisch nein. Irgendwann kommt ein Kernel-Update, ein Zertifikatswechsel oder ein Ausfall beim Hoster. Seriös ist, wer Ausfälle transparent macht, nicht wer 100 % verspricht.
Welche Verfügbarkeit sollte ich meinen Kunden zusagen?
Nur eine, die deine Infrastruktur nachweislich hergibt, mit Puffer. Wer auf einem einzelnen Server 99,99 % verspricht, verspricht Redundanz, die er nicht hat. 99,5 % oder 99,9 % ehrlich gemessen sind mehr wert als 99,99 % auf dem Papier.
Zählt geplante Wartung als Ausfall?
Für deine Nutzer: ja, die Seite ist weg. In SLAs ist sie meist ausgenommen. Gute Praxis: Wartung ankündigen (z. B. über die Statusseite), nachts legen und im Monitoring als Wartungsfenster markieren, damit die Statistik ehrlich bleibt.
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